le joueur prussien

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22 August 2011

Völker hört die Signale!

Es geht ein Gespenst um in Deutschland. Antithetisch zu Graf Schenk von Matausch tritt nun, von der anderen Seite her, im engen Schulterschluß der Werktätigen Bevölkerung die Bewegung der Radikalen Wacholzisten auf den Plan. Es brodelt im Reiche der Ulissisten, Revolutionäre Kräfte formieren sich, hier die Freiformer mit international Anerkannten Gesten des Anstands, dort die Roten Kleinklein-Brigaden.

Doch obacht, ist mit den Deutschen Spielermassen ein Staat überhaupt zu machen? Dies ist eine Frage, die der kindliche Preuße aus diesem, unseren Elfenbeinleuchtturm des Guten Geschmacks kritisch zu beäugen genötigt sich nun sieht.

Wie es den Marxisten zu Ehre gereicht, haben die Radikalen Wacholzisten in der Analyse der Problem in Deutschland den klaren Vorteil. Denn um nicht anderes geht es, als die tatsächliche Entfremdung der Geistesarbeiter von der werktätigen Spielerschaft.

Ebenso treffend ist die marxistische Analyse, die den Radikalen Wacholzisten zugrunde liegt:

Die Avantgarde von Hartwurst und Krokodil (Schwefels, Wachholzens uvm.) ist kontinuierlich von den Produktionsmitteln, und in großer Art sogar von Spielmitteln getrennt worden. An verschiedenen Regionen und Meisterpersonen hatten die H.u.K.-Literaten per Gewohnheitsrecht ein gewisses Eigentum erlangt. Dieses natürliche Eigentum spiegelte sich in der sittlichen Vereinbarung wieder, nur den jeweils zünftigen H.u.K.-Literaten die Ereignisse in ihrem Bereich weiter fortschreiben zu dürfen. Mindestens aber gab es in den Redax-Zunfträten ein Mitspracherecht.

Diese natürliche, mittelalterliche Wirtschaftsordnung samt Briefspiel-Privilegien ist nun sukkzessive unter dem Banner der Effizienz und der Zinsherrschaft aufgebrochen worden. Inwiefern dieser Prozess eine unumweichliche Modernisierung darstellt, sei dahingestellt. Aber er hat stattgefunden.

Alle vormaligen Zunftmitglieder durch Aufehbung des Zunftzwangs sind nun herabgesunken zu austauschbaren Lohnarbeitern, denen Mitspracherecht und Gewohnheitseigentum abgesprochen wird. Ebenso ist der alte Adel (Fuchs & Co), der schützend die feudale Ordnung bewahrte, verarmt und durch bürgeliche Kapitalisten (Ulisses) ersetzt worden. Diese Investition seitens der Ulissouisie zwingt per Zinsdruck zu einer Rationalisierung des Arbeitsprozesses, inklusiver räumlicher Akkumulation.

Soweit, so gut.

Die Frage ist nun, inwiefern überhaupt gewinnbringend in Lohnarbeit DSA-Lesestoff erzeugt werden kann?

Denn gerade im Reiche Aventurien gab es ja soziales Kapital, daß in der Ulisses-Rechnung nicht mehr auftaucht. Will heißen, für fiktiven Status innerhalb der Zunft sowie für die nicht pekuniär Meßbare Entlohnung in Form von Gewohnheitsteilhabe, waren haben die H. u. K.-Literaten sehr viel geschuftet. Zwar in mittelalterlicher Produktionsweise, die wohl Jahreszeiten aber keine Abgabetermine kennt.

Ich melde hier meine starken Zweifel an, daß ein vormodernes Produkt wie DSA in moderner Lohnarbeit überhaupt zu produzieren ist.
Erste Indizien für dieses Problem sieht man etwa hier.

Es gibt also echtes Potential für eine Revolution in Deutschland. Beim nächsten mal schauen wir uns die potentiellen Revolutionäre noch einmal näher an, um o. g. Frage der Fähigkeit zur Staatsgründung weiter zu beleuchten. Bis dahin geht unser Gruß an die H.u.K.-Bewegung. Mal sehen ob sie wahre Rote oder nur verängstigte Vasallen sind, die sich die selige Zunftzeit zurückwünschen. Aber dazu später mehr.

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18 August 2011

The Soul of Sorceror

Man kann Ron Edwards vieles vorwerfen, und das hat man auch. Aber eines kann man ihm nicht vorwerfen: er sei schwer verständlich. Zumindest die Sorceror Bücher sind sehr klar geschrieben. Ich kann kaum verstehen, daß so viele Leser in der Vergangenheit ein Verständnisproblem hatten. Andererseits kann ich mir schon vorstellen, warum das Spiel an sich andauernd scheitert, aber das ist eine andere Geschichte.

Wie der eine oder andere weiß, trage ich mich schon lange schwanger an dieser Rezension, doch sie wurde durch eine bestimmte Sachlage eben nicht abschließbar: Ich hatte keinen Zugang zu dem Supplement "Sorceror's Soul".

So hat also lange, lange Zeit meine Rezension zu Sorcerer selbst n etwa so ausgesehen:

- Ron Edwards mag kein Vampire
- Ron Edwards hat D&D nicht verstanden
- Ron Edwards will Kleinbürgerdilemmata immer wieder bespielen
- Ron Edwards ist X-Men Fan

Daraus läßt sich klar ableiten, warum Sorceror so ist wie es ist:
- Er brauch Superhelden
- Sie müssen "darqué" sein, aber keine Vampire
- Also: Paktierer

So weit, so logisch. Das restliche Spielleitergschwalle von ihm läßt sich alles auf den Nenner bringen, daß er nur Murksiges Spielen erlebt hat, und nun die normalsten Spielleitungstechniken wiederentdeckt. Was ich von sowas halte, weiß man ja.

Sorceror ist aber aus einem anderen Grund eine Riesenfrechheit: Es ist ja viel mehr Besinnugnsaufsatz als richtiges Spiel. Vor allem fehlt der ZENTRALE Teil: Die Regeln für Humanität des Paktierers. Also die eigentliche und spielentscheidende Währung, das was der originäre und spezifische Bausteinkomplex von Sorceror sein muß. Und so auch dargelegt wird.

Exkurs: Über Sorceror & Sword ließe sich viel sagen. Es hat sich aber begeben, daß die Old School Ruckus-Leute das Genre S&S rauf und runterdurchleuchtet haben, erst heutigertags. Und also müßte man diese Interpretationen und Kenntnisse nebeneinanderstellen. Dies scheint mir keinen Nährwert zu haben. Sorceror & Sword hat sich volkommen überlebt, da noch auf die Schwächen einzugehen ist Banane.

Kommen wir also zur Seele von Sorceror, "Sorceror's Soul".
Es ist sogar die Seele der gesamten Storybewegung. Und siehe, was ich in 1,5 Jahren herausgearbeitet habe, damals so etwa bis 2007, das steht da Schwarz auf Weiß. Ohne Reue, ohne Scham, und das ist schon ein starkes Stück. Ebenso schamlos ist die Art, wie Ron Edwards in seinen Büchern dauernd erwähnt, daß er ja so viel Geld damit verdient hat. Denn die Bücher sind sehr, sehr dünn was erarbeiteter wiederverwendbaren Inhalt angeht. Der absolute Schlag ins Gesicht ist da Sorceror's Soul, da dort gefühlt die Hälfte der Seiten aus Forge-Diskussionsthreads kopiert wurde. Und zwar ganz ausdrücklich. Kopfschütteln.

Also, was steht da ohne Scham und Reue, sogar mit Stolz verkündet?

Ich zitiere:

"What can go "wrong" with Humanity and what happens to the Humanity of the various characters are the story."

Aha, eine Storydefinition, wenn man weiß was Ron Edwards mit Humanity meint, wäre nun alles klar. Es steht auch vorher im Buch. Der nächste Satz beinhaltet aber die gesamte Essenz allen dessen was er je "entwickelt" hat. Alles was man zum Sorceror spielen braucht, bzw. das was jemals dazu tatsächlich ausgearbeitet wurde steht in dem Satz:

"So the #1 priority in preparing a scenario is a back-story that is composed of functional and dysfunctional human relationships, and therefore is ripe for including demonic elements."

Im Rest des Buches wird weiterhin klargemacht:

- alles andere, wie Ereignisse, Materie, Orte uvm. sind alles Chimären und ALLES geht IMMER um "dysfunctional human relationships" und "how low can you go".
- Spielerwerterauskitzelporno ist Tiefe

Und aus all dem ist es auch volkommen stringent, klar und unausweichlich WOHER denn diese Szenarios kommen sollen. Aus dem Krimi des 20 Jhs.
Wie kein anderes Genre, ist der Krimi die ultimative kleinbürgerliche Klischeemaschine. Da Ron Edwards auch noch explizt kategorisiert und alles auf 4 Endergebnisse zulaufen muß, kann nur noch von Kitsch gesprochen werden. Wertedilemma- und Beziehungskitsch, und zwar radikal unter bewußter Auslassung allen Beiwerks

Und genau den will er bis zur Vergasung nachäffen und immer, immer immer wieder wiederholen.

Hiermit beende ich meine Ausführungen.



im Übrigen bin ich der Meinung, daß GDW wiederaufgebaut werden sollte


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02 August 2011

Kleinkarierter Größenwahn

Wir unterbrechen die aktuelle Artikelreihe für Sondermeldungen aus der Reichsstimmungsbehörde:

Wie uns wohlinformierte Quellen berichten, haben sich DSA-Fans dem Beispiel von ANONYMUS und anderen verbrecherischen Hackern ohne Impressum erdreistet den Reichsstimmungsverweser Markus Plötz Fragen zu stellen. Daraufhin verkündete der Verweser reichsweite Neuerungen. Auf diese folgten mehrere Klarstellungen und Präzisierungen zur fachgerechten Implementation der Weisungen (erarbeitet vom Fachreferat Bild und Text IIa).
Die Hacktivistengruppe "Gotongi" bekannte sich zu dem Fragenanschlag und forderte unter Androhung von anhaltender Unzufriedenheit weitere Informationen zu erhalten. Dies wurde von der Obersten Stimmungsleitung, Stabsabteilung PR(-opaganda; Generalmajor Schnitzler) abschlägig beschieden, mit Hinweis auf die Notstandsgesetze und das Vermummungsverbot.

Beobachtern Zufolge stehen hinter dem Konflikt territoriale Streitigkeiten, die sich seit der Besetzung der Alveran-Höhen durch Ullisrelische Truppen sowie der kürzlich Erfolgten Wiederbesetzung der Lizenzhalbinsel und die anhaltende Blockade des Fanware-Streifens verstärkt haben. US-Sonderbotschafter Robert Zimmermann befürchtet das die anderthalb Jahrzehnte währenden Friedensgespräche gefährdet seien: "Die neuerlichsten Anschläge machen klar, daß es radikale Gruppen gibt, die das Existenzrecht von Ulisses implizit anzweifeln, was es den Reichstimmungsexekutivkommitee schwer macht, weiterzuverhandeln."

In Foropa und der Bloggei sammeln sich derzeit Schiffe für einen Besinnlichkeitssconvoy in den Fanware-Streifen. Der Ulissraelische Befehlshaber der U-Boot-Kommentatoren mahnt zur Besonneheit: "Moralische Unterstützung für diese Frageterroristen schön und gut, aber der sog. Hilfsflotille wird streng geraten sich an die Anweisungen der Reichsmarine zu halten. Sonst können wir für nichts garantieren."

Aus Ratioland meldet sich der Alt-Blogger Settembrini-Scholl-Latour zu Wort: "Der Konflikt geht nur oberflächlich um Besuchsregelungen und Importverbote sowie Paßkontrollen. Die doppelte Pose des "Tacheles-Redens" auf beiden Seiten ist Makulatur. Keine der beiden sagt tatsächlich was sie bewegt, beide hüllen sich in große Worte und offiziöses Gehabe. Es ist die Unfähigkeit menschlich miteinander zu reden. Es ist eine selbstverstärkende assymetrische Gesprächssituation, die von Ulisses durch von oben herab verstärkt und durch kindisches Gehabe auf der Gegenseite befeuert wird. Ich spüre da eher enttäuschte Liebe als echten Hass. Auch die scheinbare Intellektualisierung des Streites bleibt eher Schein. Woher ich das weiß? Sie sind zu jung um das zu wissen, aber jemand der das erlebt hat was ich erlebt habe, läßt sich nicht von ein paar Paragraphen täuschen. Habe ich ihnen schon die Geschichte von Dien-Bien-Phu, den zwei Nutten, einer Dose Cola, Ho-Chi-Min und mir erzählt...[]"

Zum Spekulationsthread

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