le joueur prussien

jeux d'aventure

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12 Januar 2012

To stand the Test of Time

Das beste D&D Supplement der letzten 15 Jahre und das allerbeste für D20 überhaupt und vermutlich für alle Zeiten (buchstäblich und im handelsüblichen Sinne):



http://www.rpgnow.com/product_info.php?products_id=58717

Ich würde sogar sagen eines der bahnbrechendsten Rollenspielsupplements seit Anfang des Hobbies-, von der freiesten und ungezwungensten Denkart.

Ich habe es schon ein paar Jahre, aber wollte noch abwarten in welche Richtung Pathfinder geht, ob da noch was kommen würde.

Und es ist alles 100% spielbar. Unglaublich gut. Und genaugenommen für alle Rollenspiele nutzbar.

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24 Dezember 2011

Fröhliche Weihnachten!

12 Dezember 2011

Es kümmert mich mein Geschwätz von gestern

ASL-the good

Obwohl ich in vielerlei Hinsicht feste Überzeugungen habe, und zudem viel Freude und innere Ruhe aus dem Hobby ziehe, gerade weil ich nicht mehr auf der "Suche" nach irgendetwas bin, ist doch der Lauf meines Spielerlebens doch immer auch gesäumt von Selbstverfeinerungen.
Wenn ich uns in Erinnerung bringen dürfte, konnte ich lange, lange nicht erkennen, was denn der Vorteil sei, sich mit "takischen" KoSims, allen voran ASL, zu beschäftigen.

Nun, warum also ASL? Viele haben es schon probiert es dem Außenstehenden zu erklären. Manche schwadronieren für zwei Stunden, nur um festszustellen, daß man über so etwas Umfangreiches wie ASL eigentlich gar nicht reden könne.

ASL ist ja selbst ein Paradoxon: viele sagen es sei der Realismus, der die hohe Frucht des Erlernen sei. Doch der ist leicht zu widerlegen: schon gleich in den Designer's Notes zum Urspiel Squad Leader stehen alle Maßstabsprobleme, die ich selber letztes Jahr auch entdeckte. Also bewußte Modellierung und Verschiebung zugunsten von symbolischer Darstellung. Auch sind die angestrebten realistischen Infanterietaktiken so gar nicht umgesetzt.

Realismus scheidet also aus.

Was ist also der wahre Kern des Erfolgs von ASL? Was bringt es einem, sich das anzutun? Was funktioniert da, daß es immer noch so stark bespielt wird? Witzigerweise wird es vermutlich mehr gespielt als gekauft, zumindest zur Zeit.

Der Erfolg und das Erhabene von ASL ruhen auf drei Säulen:

1) Hegelianische Geschlossenheit als Kontingenzbewältigungsstrategie

ASL ist seit spätestens 1990 nahezu abgeschlossen, es gibt keine merkliche Innovation oder Änderung in den Regeln. Da sie aber 1985 bereits hegelianische Geschlossenheit und Umfassenheit erreicht haben, ist dies ein Vorteil. Der Realismusanspruch beginnt und endet also mit dieser Abgeschlossenheit. Die Wahl von Maßstab, Epoche und Regelsystem spannt einen Freiheitskubus auf, vor dem mancher KoSim-Spieler schon verzweifelt ist, genug Wahlmöglichkeit daß man von Kontingenz sprechen kann; alles was auf den Tisch kommt, könnte auch ganz anders sein, andere Kartengröße, andere Truppeneinteilung, andere Regeln:

Dritter Weltkrieg, oder lieber Antike? Zug oder Gruppen? Bataillone? Armeekorps? Anführer einbauen oder einzeln? Englischer Langbogen oder Armbrüste? Delbrück oder Oman, Wiederverwendbare Karten oder historische? usw. ad anauseam.

Dazu kommt noch die gesamte Unwägbarkeit der Modellierung, und die immanente Diskussionswürdigkeit jedes neuen Modellierungsversuchs.
Wenn man ASL spielt, löst sich der KoSim-Kontingenz-Kubus (K³) in Luft auf. Es ist in sich schlüssig, weil geschlossen.

2) Spannender Spielfluß durch Schußregeln (S³)
Bei ASL gibt es einen wohlausgefeilten und süchtigmachenden Aspekt, eine Abwandlung des Prinzips "berührt-geführt". Nicht so streng gehandhabt, aber: wenn man Einheiten bessergesagt Teileinheiten bewegt, dann Feld für Feld. Und jederzeit kann es sein, daß der Gegner sagt: "Halt! Mein leichtes MG da hinten kann Dich sehen und schießt jetzt", und dann tut es das und zwar genau dann. Wird man getroffen? Kann man dann seine Probe bestehen? Kann man weiterlaufen? Oder schmeiß ich mich mit den Jungs in die Büsche? Hätte ich lieber Rauch benutzt? usw usf. Die Regeln dafür sind umfassend bei voller Eleganz und Handhabbarkeit, aufregend und lassen sofort einen Film im Kopf entstehen.
Für die Jüngeren unter Euch, aber nicht ganz so Jungen: So wie weiland UFO: Enemy Unknown. Und abspeichern geht überhaupt nicht.

3) Exploration und Freiheit ohne Spielleiter
Für mich der schönste Aspekt. Im Prinzip ist ASL wie ein Rollenspiel ohne Spielleiter. Oder besser gesagt, sind ja KoSims im allgemeinen Spiele für Menschen, die auch Spielleiter sein können. Durch aber eben in 1) dargelegte Geschlossenheit ergibt sich innerhalb des Szenarios eine nahezu vollständige Freiheit. Man muß nicht, wie bei unausgegoreneren Systemen, die Spielleiterrolle von beiden Spielern übernehmen lassen, damit man zusammen irgendwie ein brauchbares Ergebnis hereinterpretiert. Nein, bei ASL können beide Gegner als Spieler voll aufgehen in ihrer Rolle, und werden vom Regelbuch durch das Erlebnis getragen. Alles, aber wirklich alles, was einem einfällt, was man evtl. machen können wollte ist möglich. Will sagen, wenn ich mich frage, ob ich mit dem Panzer nicht schneller fahren kann, unter beanspruchungen des Motors: dann gibt es dafür eine eindeutige Regel, die beide nachlesen können. und die mir sagt, daß das auch soundso ungut für die Bremsen ist. Wenn mir einfällt, daß die Verteidigung evtl. zu stark ist, und ich durch die Kanalisation vorgehen will: kein Problem. Oder ich denke, hey, die sollen doch die Straße im Sprung überqueren, oder gleiten: alles da. Oder wenn man mal gelesen hat, daß die doch auch Rauchgranaten hatten...Ordner aufschlagen und los. Alle Wahrscheinlichkeiten sind vorab geregelt. Jede Aktion, die man sich irgendwie vorstellen kann, ist genauestens geregelt. Und das muß man eben deswegen NICHT vorher alles wissen. Sondern kann sich in die Gefechtslage versetzen, Feld für Feld vorgehen und sich dann überlegen ob man nicht dies oder jenes machen will. Es wird eine Regel dann dafür da sein. Diese Regeln und die Myriaden von Asurüstungsgegenständen, Nationen, Gefechtssituationen, Gelädearten und Jahre auszuloten, das ist ohne Spielleiter möglich. Wobei ein wenig Planung schon gut ist, wenn man denn gewinnen will.

Auf diesen drei Säulen spannt sich dann das Dach auf, ein Dach von ansprechend gestaltetem Material in Vollfarbe. Bewohnbar wird das ganze dann, wie RSP durch das Dungeon bewohnbar gemacht wurde, durch die Szenarios. Die sind kurz genug, um an einem Tag meist fertiggespielt zu sein. Und zur Not sind sie auf jedem Regal einfach abspeicherbar: ein oder zwei Bretter einfach an katzensicheren Ort aufstellen, die Maße sind ja quasi Din A4 (US letter). Das ermöglicht eine starke Vermehrung der Spielmöglichkeiten, dazu noch die gesamte VASL-online Szene. Und so gibt es das Sprichwort, daß viele, die ASL spielen, gar nichts mehr anderes spielen.
Ich gehöre nicht dazu.

Zum ORK

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14 Oktober 2011

Orktober

Wie angekündigt nun ein paar Anmerkungen zur Orktradition in Fantasy und Spiel. Neben der etwas ahistorisch im Raum schwebenden Deutung von Orcs (Tolkien schrob ja lieber OrKs) als allgmeines Sinnbild für Dämonen- und Geisterhaftes, drängt sich dem kundigen Betrachter doch noch anderer Bezug auf.

Dieser Bezug ist Implizit und Explizit zumindest als Keim im Herrn der Ringe angedeutet und im weiteren Werke Tolkiens auch noch weiter untermauert.

Ich mache hier nochmal darauf aufmerksam, daß Bezug nicht Gleichsetzung oder vollständige Entsprechung bedeutet.

Worauf will ich hinaus?

Dahinaus:



Zum Osmanischen Reich oder auch "Den Türken". "Turk" und Ork "Törok" und Uruk legen es vllt. nur scheinbar nahe. Aber inhaltlich und äußerlich gibt es da viele Einflüsse. Die Orks kommen aus dem Unheiligen Land Mordor nach dem Europäischen Teil Mittelerdes. Die Trommeln und Musik der Orks zeigen einige Parallelen zur ältesten kontinuierlichen Militärmusiktradition, Mehter.



Alle großen Euroäischen Christenreiche stritten mit Arabern, Mongolen, Hunnen und eben ihren organisierteren Nachfolgern der Turksteppenreitervölker: den Türken und Osmanen. Westrom, Ostrom-Byzanz, Rußland, Österreich, Polen, das HRR, Ungarn, Kroaten, Serben, Albaner usw. usf. die Europäische Indentität selber ist zu einem nicht geringen Anteil in ewiger Abgrenzung zu "Untermenschlichen Horden" aus dem Osten abgeleitet. Christenkinder wurden in den besetzten Gebieten "ihren Eltern entrissen" und dann zu Elitesoldaten, den Janitscharen ausgebildet, bei Tolkien gibt es ja wilde Vermischungsthesen und Andeutungen.

Tolkien selbst, so auch der Türkische Zeichner Ugurcan Yüce sehen Orks als eine Art unberittene Mongolen:

...they are (or were) squat, broad, flat-nosed, sallow-skinned, with wide mouths and slant eyes; in fact degraded and repulsive versions of the Europeans least lovely Mongol-types.


.

Wie die Zerrbilder der Steppenvölker in der Fantasy ihre Reittiere verloren weiß ich noch nicht. Klar sind auch bei Orks und Goblins in Warhammer und DSA anzutreffende Mondsymbolik als Bezüge dem Osmanischen Reich zuzuordnen.



Links unten ein echter Halbmondstander, ansonsten der Rote Vollmond. Auch wichtig bei DSA.
http://www.wiki-aventurica.de/index.php?title=Ork

In vielen Orkinterpretationen steckt auch die Jahrhunderte währende Erfahrung, daß in unregelmäßigen Abständen die "Gefahr aus dem Osten" wie eine Plage über die Christenheit käme: Subotai, Dschingis Khan, Attila, Suleiman der Prächtige, Mehmet II. Fatih, Timur usw. usf. Sarazenen und Araber werden auch gerne miteingemischt, so bei BattleLore. Krummsäbel dürfen nie fehlen, oft gibt es auch orkische Kompositbögen!
Waaaagh! und Orkenzüge nach Mondstand bei DSA und WH seien stellvertretend genannt



Das ganze könnte man noch lange weiterführen. Die Kernthesen, die ich anbringen will sind:

Es gibt eine europäisches Angstschema, was in das kulturelle Unterbewußtsein fest verankert wurde. Dieses Schema gründet auf die realen Erfahrungen mit Hunnen, Mongolensturm, Siegeszug der Araber unter Mohammed, den Kreuzzügen endet mit dem Fall Konstantinopels und der Reconquista. Diese Erfahrungen wurden dann verallgmeinert und rückprojiziert auf das dann sich festigende Osmanische Reich. Mit diesem kämpfte "Europa" dann nochmal die letzten 500 Jahre. Dieser Kampf war für die Balkanbewohner, Polen und das Habsburgerreich, aber in der Wahrnehmung auch für alle anderen Existentiell. Die in der Reformationszeit immer wieder auftretende Endzeitstimmung wird oft untermauert mit der Wahrnehmung "der Türken" als Geißel Gottes und Vorboten der Apokalypse. Die zweite Belagerung Wiens 1683 hat ihn solch moderner Zeit es nochmal fertiggebracht sowas archaisches wie einen gesamteuropäischen Kreuzzug auszulösen.

Als Reiter von Rohan bei dieser "Hornburg" kamen dann Jan Sobieskis polnische Panzerreiter. Helms Klamm liegt eben am Kahlenberg.

Alle Interpretation von Erfahrung und Urangst vor den Reitervölkern wird durch die Linse der Erfahrungen mit dem Osmanischen Reich gemacht.

Die Entmenschlichung des Gegners geht mit großem Respekt vor seinem militärischen Können einher. Dies wird aber, etwas kontrafaktisch und verschleiernd, der Unmenschlichkeit zugeschrieben- daß die Osmanen und auch Mongolen jahrhundertelang besser ausgebildet und diszipliniertere Truppen (Der Janitschar im 15.-16- Jh. war besserer Langbogenschütze als der Yeoman. Und es gab mehr davon! Halt mag einer sagen, mit einem stehenden Heer aus Wunderlangbogenschützen könnte mam ja die halbe Welt erobern und alle europäischen Ritter plattmachen) hatten wird durch Wunschdenken und Rückprojektion der Erfahrung aus den letzten Kriegen mit dem Osmanischen Reich im Niedergang umgekehrt.

Im Rückblick wurden mehr und mehr solcher Ost-West-Konflikte mit der Rückprojektion versehen. Bei 300 neulich erst doppelt:

Griechen gegen Perser als Schicksalskampf EU-Demokratie vs. Asiatischer Despotismus und Dekadenz, sowie Türken (dort Unsterbliche, also Perser aber das ist eben mehrfach rückprojiziert) als buchstäbliche Untermenschen-Orks, mit Bonus-Oger und Krummsäbeln.




Ach ja, und in Überzahl sind Orks, Mongolen, Osmanen, Perser, wahlweise auch Russen, sowieso und immer. Übrigens:Rolandslied beachten.

zum Thread

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22 August 2011

Völker hört die Signale!

Es geht ein Gespenst um in Deutschland. Antithetisch zu Graf Schenk von Matausch tritt nun, von der anderen Seite her, im engen Schulterschluß der Werktätigen Bevölkerung die Bewegung der Radikalen Wacholzisten auf den Plan. Es brodelt im Reiche der Ulissisten, Revolutionäre Kräfte formieren sich, hier die Freiformer mit international Anerkannten Gesten des Anstands, dort die Roten Kleinklein-Brigaden.

Doch obacht, ist mit den Deutschen Spielermassen ein Staat überhaupt zu machen? Dies ist eine Frage, die der kindliche Preuße aus diesem, unseren Elfenbeinleuchtturm des Guten Geschmacks kritisch zu beäugen genötigt sich nun sieht.

Wie es den Marxisten zu Ehre gereicht, haben die Radikalen Wacholzisten in der Analyse der Problem in Deutschland den klaren Vorteil. Denn um nicht anderes geht es, als die tatsächliche Entfremdung der Geistesarbeiter von der werktätigen Spielerschaft.

Ebenso treffend ist die marxistische Analyse, die den Radikalen Wacholzisten zugrunde liegt:

Die Avantgarde von Hartwurst und Krokodil (Schwefels, Wachholzens uvm.) ist kontinuierlich von den Produktionsmitteln, und in großer Art sogar von Spielmitteln getrennt worden. An verschiedenen Regionen und Meisterpersonen hatten die H.u.K.-Literaten per Gewohnheitsrecht ein gewisses Eigentum erlangt. Dieses natürliche Eigentum spiegelte sich in der sittlichen Vereinbarung wieder, nur den jeweils zünftigen H.u.K.-Literaten die Ereignisse in ihrem Bereich weiter fortschreiben zu dürfen. Mindestens aber gab es in den Redax-Zunfträten ein Mitspracherecht.

Diese natürliche, mittelalterliche Wirtschaftsordnung samt Briefspiel-Privilegien ist nun sukkzessive unter dem Banner der Effizienz und der Zinsherrschaft aufgebrochen worden. Inwiefern dieser Prozess eine unumweichliche Modernisierung darstellt, sei dahingestellt. Aber er hat stattgefunden.

Alle vormaligen Zunftmitglieder durch Aufehbung des Zunftzwangs sind nun herabgesunken zu austauschbaren Lohnarbeitern, denen Mitspracherecht und Gewohnheitseigentum abgesprochen wird. Ebenso ist der alte Adel (Fuchs & Co), der schützend die feudale Ordnung bewahrte, verarmt und durch bürgeliche Kapitalisten (Ulisses) ersetzt worden. Diese Investition seitens der Ulissouisie zwingt per Zinsdruck zu einer Rationalisierung des Arbeitsprozesses, inklusiver räumlicher Akkumulation.

Soweit, so gut.

Die Frage ist nun, inwiefern überhaupt gewinnbringend in Lohnarbeit DSA-Lesestoff erzeugt werden kann?

Denn gerade im Reiche Aventurien gab es ja soziales Kapital, daß in der Ulisses-Rechnung nicht mehr auftaucht. Will heißen, für fiktiven Status innerhalb der Zunft sowie für die nicht pekuniär Meßbare Entlohnung in Form von Gewohnheitsteilhabe, waren haben die H. u. K.-Literaten sehr viel geschuftet. Zwar in mittelalterlicher Produktionsweise, die wohl Jahreszeiten aber keine Abgabetermine kennt.

Ich melde hier meine starken Zweifel an, daß ein vormodernes Produkt wie DSA in moderner Lohnarbeit überhaupt zu produzieren ist.
Erste Indizien für dieses Problem sieht man etwa hier.

Es gibt also echtes Potential für eine Revolution in Deutschland. Beim nächsten mal schauen wir uns die potentiellen Revolutionäre noch einmal näher an, um o. g. Frage der Fähigkeit zur Staatsgründung weiter zu beleuchten. Bis dahin geht unser Gruß an die H.u.K.-Bewegung. Mal sehen ob sie wahre Rote oder nur verängstigte Vasallen sind, die sich die selige Zunftzeit zurückwünschen. Aber dazu später mehr.

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18 August 2011

The Soul of Sorceror

Man kann Ron Edwards vieles vorwerfen, und das hat man auch. Aber eines kann man ihm nicht vorwerfen: er sei schwer verständlich. Zumindest die Sorceror Bücher sind sehr klar geschrieben. Ich kann kaum verstehen, daß so viele Leser in der Vergangenheit ein Verständnisproblem hatten. Andererseits kann ich mir schon vorstellen, warum das Spiel an sich andauernd scheitert, aber das ist eine andere Geschichte.

Wie der eine oder andere weiß, trage ich mich schon lange schwanger an dieser Rezension, doch sie wurde durch eine bestimmte Sachlage eben nicht abschließbar: Ich hatte keinen Zugang zu dem Supplement "Sorceror's Soul".

So hat also lange, lange Zeit meine Rezension zu Sorcerer selbst n etwa so ausgesehen:

- Ron Edwards mag kein Vampire
- Ron Edwards hat D&D nicht verstanden
- Ron Edwards will Kleinbürgerdilemmata immer wieder bespielen
- Ron Edwards ist X-Men Fan

Daraus läßt sich klar ableiten, warum Sorceror so ist wie es ist:
- Er brauch Superhelden
- Sie müssen "darqué" sein, aber keine Vampire
- Also: Paktierer

So weit, so logisch. Das restliche Spielleitergschwalle von ihm läßt sich alles auf den Nenner bringen, daß er nur Murksiges Spielen erlebt hat, und nun die normalsten Spielleitungstechniken wiederentdeckt. Was ich von sowas halte, weiß man ja.

Sorceror ist aber aus einem anderen Grund eine Riesenfrechheit: Es ist ja viel mehr Besinnugnsaufsatz als richtiges Spiel. Vor allem fehlt der ZENTRALE Teil: Die Regeln für Humanität des Paktierers. Also die eigentliche und spielentscheidende Währung, das was der originäre und spezifische Bausteinkomplex von Sorceror sein muß. Und so auch dargelegt wird.

Exkurs: Über Sorceror & Sword ließe sich viel sagen. Es hat sich aber begeben, daß die Old School Ruckus-Leute das Genre S&S rauf und runterdurchleuchtet haben, erst heutigertags. Und also müßte man diese Interpretationen und Kenntnisse nebeneinanderstellen. Dies scheint mir keinen Nährwert zu haben. Sorceror & Sword hat sich volkommen überlebt, da noch auf die Schwächen einzugehen ist Banane.

Kommen wir also zur Seele von Sorceror, "Sorceror's Soul".
Es ist sogar die Seele der gesamten Storybewegung. Und siehe, was ich in 1,5 Jahren herausgearbeitet habe, damals so etwa bis 2007, das steht da Schwarz auf Weiß. Ohne Reue, ohne Scham, und das ist schon ein starkes Stück. Ebenso schamlos ist die Art, wie Ron Edwards in seinen Büchern dauernd erwähnt, daß er ja so viel Geld damit verdient hat. Denn die Bücher sind sehr, sehr dünn was erarbeiteter wiederverwendbaren Inhalt angeht. Der absolute Schlag ins Gesicht ist da Sorceror's Soul, da dort gefühlt die Hälfte der Seiten aus Forge-Diskussionsthreads kopiert wurde. Und zwar ganz ausdrücklich. Kopfschütteln.

Also, was steht da ohne Scham und Reue, sogar mit Stolz verkündet?

Ich zitiere:

"What can go "wrong" with Humanity and what happens to the Humanity of the various characters are the story."

Aha, eine Storydefinition, wenn man weiß was Ron Edwards mit Humanity meint, wäre nun alles klar. Es steht auch vorher im Buch. Der nächste Satz beinhaltet aber die gesamte Essenz allen dessen was er je "entwickelt" hat. Alles was man zum Sorceror spielen braucht, bzw. das was jemals dazu tatsächlich ausgearbeitet wurde steht in dem Satz:

"So the #1 priority in preparing a scenario is a back-story that is composed of functional and dysfunctional human relationships, and therefore is ripe for including demonic elements."

Im Rest des Buches wird weiterhin klargemacht:

- alles andere, wie Ereignisse, Materie, Orte uvm. sind alles Chimären und ALLES geht IMMER um "dysfunctional human relationships" und "how low can you go".
- Spielerwerterauskitzelporno ist Tiefe

Und aus all dem ist es auch volkommen stringent, klar und unausweichlich WOHER denn diese Szenarios kommen sollen. Aus dem Krimi des 20 Jhs.
Wie kein anderes Genre, ist der Krimi die ultimative kleinbürgerliche Klischeemaschine. Da Ron Edwards auch noch explizt kategorisiert und alles auf 4 Endergebnisse zulaufen muß, kann nur noch von Kitsch gesprochen werden. Wertedilemma- und Beziehungskitsch, und zwar radikal unter bewußter Auslassung allen Beiwerks

Und genau den will er bis zur Vergasung nachäffen und immer, immer immer wieder wiederholen.

Hiermit beende ich meine Ausführungen.



im Übrigen bin ich der Meinung, daß GDW wiederaufgebaut werden sollte


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02 August 2011

Kleinkarierter Größenwahn

Wir unterbrechen die aktuelle Artikelreihe für Sondermeldungen aus der Reichsstimmungsbehörde:

Wie uns wohlinformierte Quellen berichten, haben sich DSA-Fans dem Beispiel von ANONYMUS und anderen verbrecherischen Hackern ohne Impressum erdreistet den Reichsstimmungsverweser Markus Plötz Fragen zu stellen. Daraufhin verkündete der Verweser reichsweite Neuerungen. Auf diese folgten mehrere Klarstellungen und Präzisierungen zur fachgerechten Implementation der Weisungen (erarbeitet vom Fachreferat Bild und Text IIa).
Die Hacktivistengruppe "Gotongi" bekannte sich zu dem Fragenanschlag und forderte unter Androhung von anhaltender Unzufriedenheit weitere Informationen zu erhalten. Dies wurde von der Obersten Stimmungsleitung, Stabsabteilung PR(-opaganda; Generalmajor Schnitzler) abschlägig beschieden, mit Hinweis auf die Notstandsgesetze und das Vermummungsverbot.

Beobachtern Zufolge stehen hinter dem Konflikt territoriale Streitigkeiten, die sich seit der Besetzung der Alveran-Höhen durch Ullisrelische Truppen sowie der kürzlich Erfolgten Wiederbesetzung der Lizenzhalbinsel und die anhaltende Blockade des Fanware-Streifens verstärkt haben. US-Sonderbotschafter Robert Zimmermann befürchtet das die anderthalb Jahrzehnte währenden Friedensgespräche gefährdet seien: "Die neuerlichsten Anschläge machen klar, daß es radikale Gruppen gibt, die das Existenzrecht von Ulisses implizit anzweifeln, was es den Reichstimmungsexekutivkommitee schwer macht, weiterzuverhandeln."

In Foropa und der Bloggei sammeln sich derzeit Schiffe für einen Besinnlichkeitssconvoy in den Fanware-Streifen. Der Ulissraelische Befehlshaber der U-Boot-Kommentatoren mahnt zur Besonneheit: "Moralische Unterstützung für diese Frageterroristen schön und gut, aber der sog. Hilfsflotille wird streng geraten sich an die Anweisungen der Reichsmarine zu halten. Sonst können wir für nichts garantieren."

Aus Ratioland meldet sich der Alt-Blogger Settembrini-Scholl-Latour zu Wort: "Der Konflikt geht nur oberflächlich um Besuchsregelungen und Importverbote sowie Paßkontrollen. Die doppelte Pose des "Tacheles-Redens" auf beiden Seiten ist Makulatur. Keine der beiden sagt tatsächlich was sie bewegt, beide hüllen sich in große Worte und offiziöses Gehabe. Es ist die Unfähigkeit menschlich miteinander zu reden. Es ist eine selbstverstärkende assymetrische Gesprächssituation, die von Ulisses durch von oben herab verstärkt und durch kindisches Gehabe auf der Gegenseite befeuert wird. Ich spüre da eher enttäuschte Liebe als echten Hass. Auch die scheinbare Intellektualisierung des Streites bleibt eher Schein. Woher ich das weiß? Sie sind zu jung um das zu wissen, aber jemand der das erlebt hat was ich erlebt habe, läßt sich nicht von ein paar Paragraphen täuschen. Habe ich ihnen schon die Geschichte von Dien-Bien-Phu, den zwei Nutten, einer Dose Cola, Ho-Chi-Min und mir erzählt...[]"

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